BURGUNDER AUS DEN JAHRGANG 2017

Der November ist der perfekte Monat, um in Burgund die Weine des Vorjahres vom Fass zu verkosten. Die malolaktische Gärung ist abgeschlossen, die Weine sind meist bereits einmal abgezogen und zeigen in diesem Stadium schön, was der Jahrgang zu bieten hat. Auch im November letzten Jahres waren wir in Burgund, um die Weine des Jahrgangs 2017 in Ruhe zu probieren und für uns zu bewerten.

Gleich unsere erste Verkostung, die bei David Croix auf seiner gleichnamigen Domaine in Beaune stattfand, zeigte geradezu exemplarisch, wofür der Jahrgang 2017 steht: Unverkennbar haben wir es mit einem qualitativ sehr guten Jahrgang zu tun, der uns stilistisch sinnlich feine, delikate und vor allem perfekt balancierte Weine beschert. Das Besondere und auch Schöne an diesem Jahrgang ist, dass sich die 2017er bereits jung herrlich offen und perfekt ausbalanciert präsentieren. Nur selten haben uns die Fassproben in Burgund so viel Spaß bereitet wie 2017.

Auch 2015 und 2016 sind zwei exzellente Jahrgänge, der sehr warme Jahrgang 2015 steht für konzentrierte, derweil barocke Weine, der eher kühle Jahrgang 2016 für kühlfruchtige, frische und dank extrem niedriger Erträge zugleich für sehr dichte Weine. Zwei großartige Jahrgänge, in ihrer Stilistik absolut konträr, eint sie jedoch, dass die Weine beider Jahrgänge noch Zeit zum Reifen benötigen. Die 2015er- und 2016er-Burgunder werden uns erst in fünf Jahren, die besten 1er- und Grand Cru-Lagen wohl erst in zehn Jahren ihr ganzes Potenzial preisgeben. Es wäre schade, die großen Weine dieser beiden Jahrgänge zu früh zu öffnen.

Die 2017er präsentieren sich da anders. Bereits die Fassproben zeigten uns, dass diese Weine schon in ihrer Jugend herrlich harmonisch und ausbalanciert sind. Die Frucht ist reif und klar zugleich, unterlegt mit einer animierenden Frische, die Tannine sind voll entwickelt und kleiden den Gaumen fein aus. Es sind Weine, die bereits in ihrer Jugend zugänglich sind und ihren Charme ausspielen.

Die Witterungsverhältnisse waren 2017 endlich wieder einmal wohltuend „normal“, so das Zitat eines unserer Winzer. Der Winter war kalt, endlich wieder mit wichtigen Minusgraden, der Frühling warm und trocken. Dementsprechend früh trieben die Reben schon Ende März aus, bereits am 6. April waren die ersten Blätter zu sehen. Frost ist in Burgund um diese Jahreszeit stets ein Problem, 2017 waren es die Nächte vom 27. zum 29. April. Die Winzer konnten jedoch mit Hilfe von lokalen Feuern und speziellen Ventilatoren Schlimmes verhindern. Auch die Blüte setzte bereits Ende Mai früh ein, innerhalb von drei Tagen blühten fast alle Reben und legten somit die Grundlage für eine solide Erntemenge. Der Juni war außergewöhnlich warm und trocken, was für die Ausbildung einer dicken und festen Beerenhaut bei den Trauben sorgte. Genau diese schützte die Trauben während der sommerlichen Regengüsse, welche 2017 partiell in der zweiten Junihälfte herunterkamen. Die Trauben konnten so perfekt heranreifen, ohne Risiko von Falschem Mehltau oder Botrytis. Die Monate Juli und August präsentierten sich ebenfalls trocken und sehr warm, die Reben stellten das Wachstum in ihrer Vegetation ein und steckten ihre ganze Energie in ihre Trauben. Spätestens jetzt war erkennbar, dass wir es mit einer guten Erntemenge und frühen Lese zu tun hatten. Gerade rechtzeitig, bevor die Reben unter Trockenstress leiden konnten, kam in der zweiten Augusthälfte ersehnter Regen. Dieser versorgte die Reben mit dem nötigen Wasser, um die Trauben mittels Photosynthese final vollendet ausreifen zu lassen. Das Lesegut war 2017 perfekt reif und gesund, sodass nur wenig aussortiert werde musste, wodurch sich die besonders klare und feine Frucht dieser Weine erklären lässt. So zeichnet die 2017er-Pinot Noir wie auch die 2017er-Chardonnay genau das aus, wofür Burgund steht: Es sind delikate, sinnlich feine Weine mit klarer Frucht und wunderbarer Eleganz.

Qualitative Unterschiede gibt es aber auch 2017. Nach den drei ertragsarmen Jahrgängen 2014, 2015 und 2016 neigten die Reben 2017 dazu, genau das zu kompensieren. Sie bildeten viele Trauben und neigten zu einem höheren Ertrag. Dieses Phänomen ist den Winzern in Burgund bekannt, weswegen die meisten von ihnen die Reben sehr kurz anschnitten und zudem eine sogenannte „Grüne Vorlese“, eine Reduzierung der Erntemenge praktizierten. Deshalb wird es auch 2017 Weine geben, die hinter den Erwartungen bleiben. Diese aber haben in unserem Sortiment nichts verloren.

Die Verkostung: Pinot Noir und Chardonnay, Burgund par excellence, so kann man 2017 umschreiben. Schon beim ersten Reinriechen ziehen einen diese Weine regelrecht in ihren Bann. Rote Beeren, ganz delikat, reif, aber nicht überreif, prägen das Bukett der Rotweine. Auch die Textur am Gaumen ist absolut edel, glockenklar kommt in der feinen Frucht das jeweilige Terroir klar zum Ausdruck. Die Tannine sind reif und vor allem schon jetzt wunderbar eingebunden. Klar und voller Facetten präsentieren sich die Weißweine, unterlegt mit einer animierenden Frische. Bezüglich der Weißweine sprechen die Winzer bei 2017 sogar von einem „großen“ Jahrgang. Bei so viel Charme fällt es schwer ein Manko zu finden. Wenn es eines geben mag, dann vielleicht das, dass die 2017er en gros nicht jenes Reifepotenzial von 15, 20 und mehr Jahren haben wie die 2015er und 2016er.

Blickt man heute auf die Trilogie der Jahrgänge 2015, 2016 und 2017, so kann man voller Genugtuung feststellen, dass jeder von ihnen ganz besonders ist und seine Stärken besitzt. Vor allem aber ergänzen sie sich perfekt, die 2017er werden uns über die nächsten fünf bis zehn Jahre viel Freude bereiten, während die 2015er und 2016er noch reifen dürfen.